Sylt – Ein Erlebnis für jeden!

75-jähriges Jubiläum: Moin Sylt zwischen Dünen, Nordsee & Wattenmeer

Das Jugendseeheim des Landkreises Kassel ist ein besonderer Ort auf Sylt, eingebettet zwischen offener Nordsee und dem Wattenmeer, auf 23 Hektar inmitten des Naturschutzgebietes, nur drei Kilometer nördlich von Kampen. Hier übernachten Gäste in Steinhäusern (Mehrbettzimmer, Doppelzimmer und Apartments – 352 Betten, 103 Zimmer) oder in Steilwandzelten während der Sommermonate.

Die Geschichte des Jugendseeheims ist eng mit dem Wunsch verbunden, den Jugendlichen des Landkreises eine sichere und inspirierende Umgebung zu bieten, in der sie sich frei entfalten können. Einst war dieses Gelände unbebaute Dünenlandschaft, bis zu den Schrecken des Ersten Weltkriegs, als hier nahe des heutigen Klappholttales Geschützstellungen errichtet wurden und Soldaten in einfachen Holzbaracken lebten. Der Name „Lager Skagerrak“ erinnert an eine tragische Seeschlacht zwischen der deutschen und englischen Flotte.

Während des Zweiten Weltkrieges fanden bis zu 300 Marine-Artilleristen hier Unterkunft, und nach dem Krieg wurden die Barracken zu einem Zufluchtsort für Heimatvertriebene. 1949 begann eine neue Ära, als die Bundesbahndirektion Kassel gemeinsam mit der Stadt Kassel nach einem Gelände für ein Jugendseeheim suchte. Im Sommer 1949 fand das erste Zeltlager statt, und 1950 mit Einstieg des Kreis Kassel erlebten 560 Jugendliche ihren wohlverdienten Erholungsurlaub. Ab 1952 konnten Kinder hier zu sechswöchigen Erholungskuren kommen und die Unterkünfte wurden auch für Schulaufenthalte geöffnet.

Der Kreistag beschloss 1954 den Kauf des Lager Skagerrak, was den Weg für langfristige Visionen ebnete. Ein 30-Jahres-Pachtvertrag wurde unterzeichnet, und seit 1961 gilt ein Erbbauvertrag über 90 Jahre. 1956 begann der Umbau: Die alten Holzhäuser wichen modernen Klinkerbauten, die bis 1961 mit Errichtung des Rundbaus fertiggestellt wurden. Seit 2001 ist das Jugendseeheim beim Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen angesiedelt. Seitdem wurden rund 5 Mio. investiert und rd. 5,6 Mio. für Instandhaltungen ausgegeben.

Das Jugendseeheim wird kontinuierlich modernisiert, um den Bedürfnissen der Gäste gerecht zu werden, ohne dabei den Charme und die Tradition zu verlieren. Pünktlich zum Jubiläumsjahr erstrahlt der Speisesaal in frischen Farben mit großformatigen historischen und aktuellen Bildmotiven. Es gibt viele Neuerungen auf dem weitläufigen Gelände zu entdecken: Jubiläums-Infotafeln, XXL-Bank, Liegebank mit Meerblick, Kugelspiel sowie neue Fahrradständer und eine Fahrradreparaturstation.

Heute bietet das Gelände alles, was das Herz begehrt: eine Sporthalle, einen Sportplatz, einen Minigolfplatz, Waldbühne und Spielplätze, wo Lachen und Freude erklingen. Ein malerischer 400 Meter langer Fußweg führt zum Weststrand, während für Seminare mehrere gut ausgestattete Häuser zur Verfügung stehen. In den letzten 75 Jahren wurden schätzungsweise über 500.000 Gäste begrüßt, in den letzten Jahren gab es bis zu 60.000 Gästeübernachtungen jährlich.

Ist in der Sommerzeit das Zeltlager belegt, gerät nicht nur das Küchenteam unter Dampf - im Jugendseeheim herrscht ein ausgeprägter Teamgeist. Bei einigen Kollegen hat schon ein Elternteil auf Sylt gearbeitet. Das Team von Küche, Reinigung, Hausmeisterei, Heimleitung sowie die Buchungsstelle in Kassel sorgen für einen reibungslosen Ablauf und glückliche Gäste. Aber nicht nur das Team hat das Herz an das Jugendseeheim verloren, ehrenamtliche Rettungsschwimmer, ein engagierter Förderverein sowie Schulen und Firmen tragen zur lebendigen Atmosphäre bei. Im Jugendseeheim steht das Leben im Zeichen der Gemeinschaft. Hier entstehen Freundschaften, wenn gemeinsam getanzt, gesungen oder Sport getrieben wird.

Das Jugendseeheim auf Sylt hat im Laufe der Jahre zahlreiche Generationen von Jugendlichen begleitet. Das zeigt auch der Presseaufruf zum Jubiläumsjahr mit fast 100 Einsendungen. Die Resonanz war überwältigend. Bilder, Anekdoten, Filmmaterial, Gästebücher und Reisetagebücher wurden für die Ausstellung 75 Jahre Jugendseeheim Sylt – eine Zeitreise im Kreishaus vom 10. April bis 18. Juni 2025 zusammengestellt. Auf Sylt gibt es eine „Geschichtenecke“, wo die Gäste das umfängliche Material sichten können. Der friesische Wahlspruch „Rüm hart – klarer Kiming“ spiegelt den Wandel dieses einst kriegerischen Ortes wider: Er ist heute ein Ort der Erholung und des Lebens für viele Gäste. Das Jugendseeheim Sylt erfüllt mit Leidenschaft seine Aufgabe als Jugend- und Gästehaus, in dem Freundschaften entstehen und Erinnerungen geschaffen werden.

 

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Erinnerungssplitter zum Jubiläums-Aufruf

Auszüge aus Fotoalben, Reiseberichten, gekürzt ohne Angabe von Namen / Danke für die wunderbaren Zusendungen!

In einem alten Fotoalbum steht in geschwungener Schrift unter einem Foto von Landrat Herrmann und den Herren der Bahndirektion „Fahren wir nach Sylt, um zu sehen, ob sich´s für ein Jugendlager eignet“ gefolgt von einem Foto von Landrat Köcher „Sylt wird Jugendlager“. Später sieht man ihn stilecht im Bademantel.

„Vielleicht war ich einer der ersten! 1953 ging es mit dem Sonderzug gen Norden in Richtung Westerland. Die kleine Dampflok quälte sich die hügelige Dünenstrecke rauf und runter und plötzlich ging nichts mehr. Kurzerhand sprang der Heizer aus dem Führerhaus, griff sich seine Schaufel und verteilte eine Ladung Sand auf den Gleisen. Davon gab es ja genug!“

„Von Kassel Hauptbahnhof ging es über Hamburg und den Hindenburgdamm nach Westerland. Dort stiegen wir ins „Inselbähnchen“. Im „Klappholttal“ endete die Fahrt. Mit schwerem Gepäck ging es die Düne hinauf zum Lager. … In den Zelten schliefen jeweils acht Personen. Bei Regen war es kaum auszuhalten. Alles war nass und klamm, und Lehrer Waßmuth kannte kein Erbarmen. Auch bei Regen mussten wir an die frische Luft und Wattspaziergänge unternehmen.“ (1961)

„Wir waren im festen Wohnhaus und 4 Mädchen in einem Zimmer. Die Zimmer waren viel besser als in den Jugendherbergen. Alle Betten standen frei und nicht übereinander und es gab echte Federkissen. Ich erinnere mich an eine Kissenschlacht, wo die Federn flogen.“ (1964)

„Unser unvergesslicher Lehrer Zühlsdorf legte großen Wert darauf, dass wir uns anständig benahmen und nicht unangenehm auffielen.“

„Unsere Klassenlehrerin zeigte uns Wollgras und Sonnentau, was ich bis dahin noch nie gesehen hatte … Es war recht kalt auf Sylt, aber gewandert wurde täglich. Trotz Kälte sahen wir am FKK-Strand Personen, die bis zur Taille mit Skipullover bekleidet und weiter unten nackt waren.“ (1964)

„Für unsere Klasse der Volksschule in Großenritte/Baunatal war es schwierig, das Geld zusammen zu bekommen. Unserem Lehrer war es wichtig, dass jeder mitkommen konnte. … Der Betrag reichte aber leider noch nicht aus. Um noch mehr Geld zusammen zu bekommen, haben wir „Des Kaisers neue Kleider“ als Theaterstück eingeübt. Zusammen mit anderen Zuschüssen von unserem Ort und dem Landkreis hat es dann gereicht. … Einmal gab es einen Wettbewerb für den besten Vorplatz. Wir haben dann fleißig Muscheln, Steine und Reisig gesammelt. 1. Platz für die Mädchen aus Großenritte. (Jahrgang 1939)

„1961 ist mein Groß-Onkel Georg Morell auf Sylt bei einem Rettungseinsatz bei einer Kinderfreizeit ums Leben gekommen. Ein Gedenkstein steht noch immer am Speiseraum.“

„1960 erlebte ich mit meinem Vater im Lister Hafen den sensationellen Fang eines Walrosses, erlegt durch den Robbenjäger Kapitän Detlefsen aus List. Unvergessen … eine Seefahrt nach Helgoland!“

„Hier empfing uns der Lagerleiter. Er führte uns zu unseren Zelten. Hierbei machte er sehr deutlich darauf aufmerksam, dass hier Ordnung und Sauberkeit, an erster Stelle der Lagerordnung, zu finden sind. … Er hätte bei jeder Wehrmacht die Position von einem Feldwebel und Spieß sofort übernehmen können.“

„Das spannendste Motiv ist wohl die Einweihung des neuen „Klosetts“ durch den späteren Minister Holger Börner. War zum allerersten Mal am Meer und sehr beeindruckt.“

„Trotz vieler Reisen in meinem langen Leben erinnere ich doch mit besonderen Glücksgefühlen meine allererste große Reise! Baracken? Egal!!! Essen - Schlafen.... Geschlossen stürmten wir am nächsten Tag in die riesigen Nordseewellen - ach, es war einfach unbeschreiblich schön!“ (Jahrgang 1936)

“Das Meer zu sehen war ein Erlebnis, das erste. Das zweite waren die Nackedeis – es waren tatsächlich schon welche unterwegs - die sich zwanglos am Strand bewegten und für uns eine Sensation waren.“

„Jeden Morgen um 6:30 Uhr wurden wir von einem Mann mit Schifferklavier geweckt. Um 7 Uhr war Frühsport vor dem Essensaal angesagt. Später mit der Sportjugend vor Ort.“

„Der Küchendienst wurde beauftragt, ein Glas Nutella herauszuschmuggeln, das wir dann in unseren Zelten auslöffelten. Eine Rarität damals, als es zuhause nur selbstgemachte Marmelade gab.“

„Unser Zelt kam auf die irre Idee, die Koffer der Nachbarzelte zu klauen und diese am Fahnenmast hochzuziehen. Ergebnis: Ärger und 1 Tag Kartoffelschälen für das ganze Lager. Beim Schälen hatten wir dennoch ordentlich Spaß.“

„Nach List sind wir oft gewandert. Gesungen haben wir dann immer: 20 Mann und ein Befehl, jeden Tag der gleiche Mist und wir wandern doch nach List!“ (1966)

„Weil ich ein "klapperdürres Ding" war, und unbedingt was "auf die Rippen" kriegen sollte ging es zur Kur. Es war bis dahin die schönste Zeit meines Lebens und ich konnte mich nicht sattsehen und -hören am Rauschen des Meeres.“ (Jahrgang 1944)

„Im Jahr 1958 war ich das erste Mal als Betreuerin zu einer Herbst-Kur. Gemeinsam mit Schwester Ellen und Herrn Wittmer als Leiter, war ich dann 6 Wochen vor Ort. Die meisten Kinder kamen aus dem Landkreis Kassel, es waren aber auch Stadtkinder mit dabei.“

„Unser Interesse galt vor allem den regelmäßigen Beatmusikabenden im Rundbau, bei denen man auch auf Tuchfühlung mit dem anderen Geschlecht gehen konnte. Beliebt waren Nachtwanderungen und die geheimen Treffen mit Mädchen in den Dünen.“

„Doch eines nachts, in den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1969 passierte etwas Außergewöhnliches… Wir wurden von unseren Betreuern geweckt und es lief die Übertragung der ersten Mondlandung. … Und ob ich Neill Armstrong zuvor noch live aus der Apollokapsel herausklettern gesehen habe, weiß ich heute nicht mehr. Aber eines weiß ich genau: Ich war dabei, bei der Mondlandung im Rundbau!“

„1964 war ich mit 15 Jahren mit der Sportjugend wieder auf der Insel. Eines Abends waren wir mit einer größeren Clique gegenüber in der Vogelkoje. Das Bezahlen kurz vor 22 Uhr dauerte eine Ewigkeit... Das Gelände war eingezäunt und das Rolltor war geschlossen. Wir mussten über das Tor klettern …“

„Am Anreisetag, als wir die Zelte bezogen hatten, stellte mein Klassenkamerad eine XL-Flasche Maggi auf den Spind ab. Als er den wackeligen Spind öffnete, fiel die Flasche runter und zerbrach. So hatte das ganze Zelt bis zur Abreise was davon.“

„Das Taschengeld brachten wir hauptsächlich in die Kogge. Muschelkästchen, Seesterne und kleine Seehunde waren als Souvenirs sehr begehrt. Aber auch die verlockenden Süßigkeiten. Meine Mutter schickte mir noch einmal 5 DM nach, mit der Bitte, mir das Geld doch besser einzuteilen. Aber die Verlockungen ...“

„Auch eine Schiffsfahrt nach Helgoland war geplant. Bei Wellengang solle man einen Underberg trinken. Gesagt, getan. Kaum zehn Minuten später mussten wir Landratten leider Neptun opfern, denn einen solchen Seegang waren wir nicht gewohnt und wehe, man hatte die falsche Seite gewählt. Seitdem habe ich keinen Underberg mehr angerührt.“

“Es war Vorschrift, bestimmte Kleidung mitzunehmen: eine Windjacke, Stiefeln, Badeanzug, Mütze, Toilettenartikel und Wechselwäsche. Auch hierfür mussten einige sich Dinge von Freunden oder Bekannten ausleihen.“ (1953)

„Wir machten Abendspaziergänge am Strand in den Sonnenuntergang, dann ein Lagerfeuer und es wurde zu Gitarrenklängen Lieder gesungen. Und natürlich gab es jeden Sommer Jungs, für die wir schwärmen konnten.“

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